Am 30.07.17 ging es los. Das erste Mal alleine in Urlaub, das erste Mal in ein Ashram. Um 11 Uhr fuhr ich los, ins Yoga Vidya Ashram im Allgäu. Voller Erwartungen, Freude, auch etwas Angst und Aufregung. Das Auto vollgepackt mit Yogamatte, Yogazeug, Klamotten und alles was ich dachte, was ich so gebrauchen kann. Hatte viel zu viel eingepackt, aber Bruce – mein Dacia Logan war ja groß genug.

Bewusst habe ich in mein Navi Strecken eingegeben, die über Land fahren. Ich wollte schon jetzt die Ruhe genießen und keine schnelle Autobahn fahren. Erwartungen wollte ich ausschalten. Natürlich hatte ich so meine Themen, jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen, aber ich wollte einfach nur genießen und zu mir kommen. Welche Themen ich hatte, wusste ich ja, diese würde ich angehen. Ich wusste noch nicht, dass ein ganz anderes Thema hochkommen würde….

 

Warum dieser Ashram-Besuch?

Ich hatte nach Hilfe gerufen und als Antwort bekam ich „Eine Ferienwoche im Yoga Vidya Ashram im Allgäu“ auf meinem Desktop am PC angezeigt. Wer auch immer mir das zeigte, er sollte recht behalten.

Nach knapp 3h Fahrt war ich dann endlich da – Maria Rain im Allgäu. Das Ashram sieht aus, wie ein kleines, nettes Hotel im Allgäu eben aussieht. Geranien hingen am Balkon und um mich herum waren die Berge zu sehen. Ein Schild zeigte mir den Weg zur Rezeption und Anmeldung. Die netten Damen gaben mir meinen Zimmerschlüssel und machten mich darauf aufmerksam, dass um 16:30 Uhr bereits die erste Yoga-Stunde stattfinden würde. Klaro, nehme ich teil, deswegen war ich ja hier!

Das Yoga Vidya Ashram in Maria Rain – Allgäu

 

„Tu was für dein Karma-Yoga“

Ich freute mich über mein Einzelzimmer, dass sehr spartanisch, anspruchslos und auf das nötigste beschränkt eingerichtet war. Ein kleines Holzbett, ein kleiner eckiger Tisch und Stuhl, ein Schrank und ein kleines Bad mit Dusche. Ich hatte Mühe, meinen riiiiesen Koffer durch den kleinen Gang in mein Zimmer zu bekommen.

Im Ashram gibt es die Möglichkeit Einzelzimmer, Doppelzimmer oder den Schlafsaal zu buchen. Man kann Bettwäsche und Handtücher selber mitbringen, oder für kleines Geld mieten. Ich hatte alles selber mitgebracht. Schnell überzog ich mein Bett, zog mir bequeme Yoga-Sachen an, schnappte meine Matte und los ging es zur ersten Yoga Stunde. Beim hinauslaufen fiel mir noch ein Schild an der Türe auf: „Bitte hinterlasse dein Zimmer so, wie du es vorgefunden hast. Putzmittel und Staubsauger findest du auf jedem Stockwerk….gut für dein Karma-Yoga“ – oder so ähnlich. Ich muss gestehen, das war neu für mich – im Urlaub die Zimmer selber putzen. Aber es machte mir nichts aus. Schließlich war das Zimmer sehr klein und schnell geputzt.

Mein Zimmer – einfach und gut

 

Ganesha steht für einen guten Anfang

Die erste Yoga-Stunde fand im Lakshmi-Raum statt. Lakshmi ist die indische Göttin des Glücks. Ein großer Raum, mit großen Fenstern, Teppichboden und vorne ein riesen Altar. Der Raum darf nur ohne Schuhe und mit sauberen Füßen betreten werden. Auf dem Altar standen Bilder von Swami Sivananda (Yogi, Arzt, spiritueller Meister, Schöpfer des „integralen Yoga“ und absoluter Optimist), Lakshmi (Symbol von allem Guten, Schönheit, Glück, Wohlstand, …), Swami Vishnu-devananda (direkter Schüler von Swami Sivananda, er brachte den „Yoga“ in den Westen), Jagadguru Shankaracharya (Jnana-Yoga-Meister), Jesus, Maria, Ramana Maharshi (Vorbild westlicher Satsang-Lehrer) und Ganesha (Beseitigung aller Hindernisse und steht für einen guten Anfang). Ja, der Anfang war getan, hier war ich nun!

Ganesha steht für einen guten Anfang (Wandteppich im Lakshmi-Raum)

Der Lakshmi-Raum mit Altar


 

Schweißtreibende und energetisierende Yoga-Stunden

Der Altar erinnerte mich an die Kirche. Auch kamen Leute rein und verbeugten sich erstmal. Das war mir anfangs wirklich suspekt und ich beschloß nicht zu urteilen und mich darüber zu informieren, was hier „angebetet“ wird.

Schnell hatte ich meinen Stammplatz, ganz hinten links entdeckt. Hier sollte ich jede Yoga-Stunde erleben, die täglich morgens von 9:15 – 11 Uhr und Abends um 16:30 – 18 Uhr stattfanden. Patrick, unser heutiger Yoga-Lehrer gestaltete die Grundreihe der Yoga Vidya Mittelstufe mit sehr viel Humor und seine durchdringende Stimme gefiel mir wirklich gut. Die Yoga-Stunden waren fordernd. Gut daran – es wurden immer Alternativen aufgezeigt. Wer z.B. nicht den Kopfstand machen wollte, oder konnte, der durfte in den Schulterstand, oder den Delphin (eine vorbereitende Übung für den Kopfstand). Alle Yoga-Lehrerinnen und Lehrer waren sehr gut ausgebildet und jede Stunde anspruchsvoll, energetisierend, schweißtreibend (nicht nur wegen der heißen Temperaturen) und schön.

Um 18 Uhr, direkt nach den Yoga-Stunden gab es Abendessen. Die Auswahl war der Hammer. Ich bin beim Essen voll auf meine Kosten gekommen. Ich denke, jemand der regelmäßig Fleisch isst, dem hat schon was gefehlt, für mich war es genau richtig. Eine lacto vegetarische/vegane Auswahl an Allerlei, Sattwig (rein nach Yoga-Philosophie) und Ayurvedisch. Richtig lecker und wohltuend! Viel Gemüse, Suppen, Brei und Salat zum Abendessen, wobei mir der Kitchery Brei besonders lecker aufgefallen ist.

Zum Frühstück um Punkt 11 Uhr gab es sehr viel Obst und Gemüse, sowie Haferbrei und Müsli. Vor 11 Uhr konnte man sich Obst selber schneiden, oder eine Banane essen. Ich vermisse jetzt schon die gute Küche!

Speisesaal rechte Seite

Speisesaal ohne Essen 🙂

 

Beim Abendessen habe ich dann erste Bekanntschaften mit zwei lieben Mädels gemacht, die mich durch die Woche begleiten sollten. Im Laufe der Woche kamen noch viel mehr, ganz arg liebe Menschen dazu, die ich kennen lernen durfte.

Abends gab es dann noch eine Hausführung und unsere Einführungs- und Vorstellungsrunde. Das Haus hat mehrere Meditations- und Yogazimmer, ein paar Einzel- und Doppelzimmer und Schlafsääle. Eine Sauna gab es im Keller und eine große, einladende Terrasse um zu Essen, oder einfach nur genießen.

 

Tripura leitete unser Seminar mit sehr viel Herz

Kati (Tripura), unsere Seminarleiterin stellte sich vor. Eine tolle, geradlinige, emphatische Frau, sehr Weise und gutmütig. Sie leitete unser Seminar mit sehr viel Herz und einer gewissen Strenge, die manchen eventuell die Augen geöffnet hat. Seminarthemen waren die 6 verschiedenen Yoga Formen (Hatha, Kundalini, Bhakti, Raja, Jnana und Karma-Yoga), Ayurvedische und Sattwige Ernährung, Yoga-Nidra, Meditationsformen, Lebensberatung durch Yoga-Coaching, eine sehr interessante Übung der Hingabe (könnte aus dem Tantra kommen) und verschiedene Ausflüge, wie ein meditativer Spaziergang in Stille, oder der Besuch des Kräutergartens des Naturkosmetikherstellers Primavera. Alles in allem war das eine schöne, runde Sache. Für mich waren viele Teile des Seminars Wiederholungen. Der Kurs war für „Neulinge“ der Yoga-Philosophien gedacht. Es wurden die Grundlagen besprochen. War wirklich super, wie Tripura alles erklärt hat.
Außerdem gab es noch eine äußerst amüsante Lach-Yoga-Stunde im Garten und einen freien Nachmittag am See.

Gesehen auf einem Ausflug

Ausflug Bergwanderung

Freier Nachmittag am See

 

Ganz viel Meditation und noch mehr Satsang

Jeden Morgen um 7 und Abends um 20 Uhr stand Meditation und Satsang auf dem Plan. An den Satsang musste ich mich erst gewöhnen. Der Lakshmi-Raum war komplett gefüllt mit Besuchern und Hausbewohnern. Eine 30-minütige Stillemeditation leitete den Satsang ein, danach folgten 3x OM, das Kirtan-Lied „Jaya Ganesha“, weitere Kirtans, und eine Lesung.

Was interessant für mich war, ich fühlte mich bei jeder Lesung angesprochen. Irgendwie war es immer, wie wenn Vorne die Person die Lesung direkt für mich gehalten hätte. Danach folgten Friedensgebete, Segnungs- und Geburtstagswünsche (auch gesungen), das Arati, die heilige Lichtzeremonie, wo man im Anschluss gesegnetes Obst isst und noch das Twameva (Friedens-Kirtan). Am Anfang konnte ich nichts mit dem Kirtan singen anfangen. „Was mache ich hier eigentlich?“ dachte ich mir am ersten Abend.

Mein Fazit: „Wenn man nicht weiß, was man singt, ist das doof!“ Dieses Fazit des ersten Abends sollte sich bald ändern.
 

Alle Religionen und alle Menschen sind eins

Was ich sehr schön fand, es wurde einem nichts aufgedrängt. Wer nichts mit indischen Göttern anfangen konnte, der solle an Jesus denken, oder einfach an eine Kraft im Inneren, das höhere Selbst, oder seinen Geistführer. Ich für mich persönlich konnte meine Kräfte mobilisieren, Mut und Kraft tanken.

Von Jesus hingen auch überall Bilder. Besonders schön fand ich das Bild „Jesus und Krishna – Hand in Hand“. Sehr undogmatisch wurde uns erklärt, dass alle Menschen, alle Religionen und alle Gedanken gleich sind.  – wir sind alles Menschen, alle eins in diesem Universum und sollten gemeinsam ein Ziel haben – FRIEDEN!

Jesus und Krishna – Hand in Hand!


 

Meine Nerven spielten wohl verrückt

Um 22 Uhr war ich auf dem Zimmer. Ab 22:30 Uhr bis 7:30 herrschte absolute Stille im Haus. Daran gewöhnte man sich ziemlich schnell. Als am nächsten Morgen beim ersten „Guten Morgen“ nichts zurück kam, wusste man das auch.

Die Nacht war ziemlich warm. Mit einer geführten Meditation von Louise L. Hay fiel ich in einen unruhigen Schlaf. In der Nacht schreckte ich hoch, da etwas auf meine Stirn tippte. Ich hastete zum Lichtschalter – da war aber nichts und niemand…..meine Nerven spielten wohl verrückt und zuckten schon. Halb wach halb schlafend wachte ich pünktlich um 5:40, 5 Minuten vor dem Wecker auf. Dies war zwar überhaupt nicht meine Zeit, aber ich sollte erleben, dass ich die ganze Woche jeden Morgen vor dem Wecker aufwachen würde.

Ich durfte bis auf einen bewölkten Morgen, jeden Morgen einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben. Wir hatten so viel Glück in dieser Woche, jeden Tag an die 30 Grad und herrlicher Sonnenschein.

Einer von vielen wunderschönen Sonnenäufgängen, die ich erleben durfte!


 

Irgendwie fühlte ich mich wie im Schullandheim

Es dürstete mich nach Kaffee, den es aber nicht gab. Ich begnügte mich mit heissem Ingwerwasser und genoß die Ruhe und das hier sein. Ein bisschen fühlte ich mich wie im Schullandheim, wo man heimlich rauchen geht. Bei uns war es eher das „heimliche“ Kaffee trinken gehen. Zu jeder Gelegenheit ausserhalb des Ashrams genossen wir in irgendwelchen Café’s unseren Kaffee.

Wer am Ashram teilnahm, sollte in dieser Zeit kein Fleisch, kein Fisch, kein Alkohol, kein Tabak und keine Drogen zu sich nehmen. Ich glaube Kaffee wurde gerade noch so geduldet, so redete ich mir das zumindest ein.

Punkt 7 Uhr ging der ausgefüllte Tag wieder los. Man bekam keine Zeit nachzudenken, der Plan war voll.
30 Minuten Stillemeditation und Satsang. Heute war ich besser drauf als gestern Abend und meine Laune steigerte sich jeden Tag. Ich war heute morgen mit einem wunderschönen Gefühl aufgewacht. Die Morgenmeditation war sehr kraftvoll und die Yoga-Stunde mit Atmaram war wunderbar. Ein super lieber Mensch, der seine Yoga-Stunden sehr authentisch und liebevoll gestaltete. Was mir wirklich auch gut gefallen hat, waren die Atemübungen, vor den Hatha-Stunden. Pranayama, Kapalabhati (Feueratmung) und die Wechselatmung (Gleichgewicht).

So vergingen die Tage, mein Herz öffnete sich jeden Tag ein Stück mehr. In fast jeder Meditation sendete ich Licht und Liebe zu diesen lieben Menschen im Haus und der Welt. Der Satsang gefiel mir immer besser, vor allem nachdem ich die Übersetzungen studiert hatte. Es geht um Schutz und innere Kraft, Mut, Hindernisse beseitigen, Lebensfreude, Heilung, Liebe, Freude, Fülle, Wonne, den Ursprung und das ewig Unendliche und vor allem um Frieden – inneren und äusseren Frieden.

Mögen alle Wesen glücklich sein und in Frieden leben!

 

Ich hatte irgendwann einen Ohrwurm nach dem anderen. Es kam mir so vor, als ob das ganze Haus singen würde. Jede Klospülung, jedes Rauschen, jedes Knacken im Haus sang….erklärt mich für verrückt, aber der Satsang ist mir wirklich tief gegangen und ist echt heilig geworden. Auch heute, 4 Tage nach meinem Aufenthalt singe ich die ganze Zeit einen Ohrwurm nach dem Anderen. Es bringt einfach gute Laune, Liebe und öffnet mir das Herz.

Abends holten die Bewohner manchmal spontan die Gitarre und wir sangen und tanzten im milden Sommerabend. So ist wohl glücklich sein!
 

Der Schweigetag

Was auch eine neue und sehr spannende Erfahrung war, war ein Tag zu Schweigen. Der Schweigetag ging für die Gäste eigentlich nur bis 12 Uhr. Ich beschloss von Abends 22:30 bis am nächsten Tag 18 Uhr nichts zu sagen. Das war wunderbar. Eine tolle Erfahrung für mich, zu mir zu finden, meine Gedanken aufzuschreiben und mich niemandem erklären zu müssen, weil ich nichts sage. Keine sinnlosen Gespräche! Ich hatte mir einen freien Nachmittag gegönnt, den ich schweigend in der Sonne im Garten verbrachte.

Meditationsspirale im Garten

 

Die Tage vergingen viel zu schnell und waren wunderbar. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und habe wieder ein Stück näher zu mir gefunden. Die Yoga-Stunden waren fordernd und energetisierend. Na und zum Satsang muss ich wohl nichts mehr sagen 😉 Die Natur war herrlich und der Sommer meinte es wirklich gut mit uns. Es war ein Urlaub, der mir in Gedanken bleiben wird und der mein Leben ein Stück verändert hat und auch verändern wird.

 

Fazit meiner Reise

Heute laß ich: In einem Ashram wird man einmal wie in der Waschmaschine im Schleudergang durchgeschleudert. Das kann ich bestätigen. Meine Gefühle liefen Amok. Von „was mache ich hier?“ über, „was soll denn diese Erleuchtung sein?“, bis „mir tut mein Steißbein weh, meine Oberschenkel und Muskelkater!“ kamen Gefühle wie „Trauer!“ und „ist mein Leben gut so, wie es ist?“ bis absolute „Liebe und Glück, Verbundenheit und ein inneres Vibrieren der Glückseeligkeit!“

Und ich habe ein großes Fazit dieser Reise: HEILUNG

Heilung von Krankheit, Heilung von Gedankenmüll, Heilung vom System, Heilung im System.

Alle Gedanken, alles was wir aussprechen manifestiert sich und wird zur Gewohnheit. Deswegen lasse ich los. Ich habe mir fest vorgenommen, sehr viel achtsamer in meinem Leben und auch in meinem Job umzugehen, mit meinen Mitmenschen und mit mir. Werde mich entfernen von Dingen die mich runter ziehen und werde alles was mich krank macht, geistig, körperlich und spirituell loslassen – gehen lassen. Nur so kann Heilung geschehen!

Ich fühle mich sehr viel freier und werde einiges in meinem Leben verändern, kleine aber nachhaltige Dinge! Wir haben alles und noch so viel mehr, dies schätze ich sehr. Ich bin sehr glücklich, dieses Geschenk, diese Erfahrung erhalten zu haben und werde sicherlich mal wieder ein Ashram besuchen. Danke für Alles!

OM Shanti! OM Frieden!

Die Ausflüge

„oṃ namaḥ śivāya“

Verwirkliche dich selbst und beseitige alle Negativität

Das Ashram

„Anandoham Anandoham Anandambrahmanandam“

Ich bin kosmische, absolute Wonne

Sonstige

„Om Purnamadah Purnamidam Purnat Purnamudachyate Purnasya Purnamadaya Purnameva Vashishyate“

Om. Dieses ist unendlich. Jenes ist unendlich. Aus dem Unendlichen wird das Unendliche manifestiert. Wen man das Unendliche vom Unendlichen wegnimmt, bleibt immer noch das Unendliche übrig.

Jenes ist Fülle, dieses ist Fülle, aus der Fülle kommt die Fülle hervor. Wenn man von der Fülle, Fülle wegnimmt, bleibt Fülle übrig.

 

Ich wünsche mir FRIEDEN – für DICH, für MICH und für diese WELT!

Namasté,

Deine Cordula

 

(Quellenangaben: https://wiki.yoga-vidya.de/)