Prolog:

Karma ist für mich nicht gleich zu setzen mit „sein Fett abzubekommen“. Heisst es nicht, wenn dich einer schlägt, halte ihm noch die andere Backe hin? 

Wer bei Karma an Rache, Genugtuung und eigenen Seelenfrieden denkt, der handelt genau so gegen das Gute, dass beim Abbau von Karma geschieht. 

Er handelt gegen sich selber, dagegen dass innerer Frieden wirklich ist. 

Denn das ist Karma – der Abbau von innerem Unfrieden, egal was diesen Unfrieden in einem selber verursacht hat. Ein Mensch der nichts Gutes tut wird kaum glücklich sein. Das ist Karma. Das Gesetz der Handlung, Gut oder Schlecht…Karma bewertet nicht, Karma ist!

Was ist Karma?

Beim scrollen in einem bekannten Social Media Kanal, ist mir ein Spruch über Karma ins Auge gesprungen. Dort stand: „Die Vorstellung, dass es so etwas wie Karma gibt, hat irgendwie etwas beruhigendes an sich.“ Darunter stand in fetten Buchstaben: „AN ALL DIE VERLOGENEN MENSCHEN“ und „JEDER BEKOMMT WAS ER VERDIENT IRGENDWANN.“

„Wow“ dachte ich mir und es hat mich beim Lesen total kalt durchschüttelt. Irgendwie ist das für mich überhaupt nicht stimmig, wenn ich meine Definition, oder eher Gefühl von Karma betrachte. „Verlogene Menschen?“ und „etwas bekommen was man verdient?“ passt für mich nicht zu Karma. Bloß warum? Ist das nicht die Definition der Meisten hier im Westen, zu bekommen was man „Verdient“? Doch was ist meine Definition genau, dachte ich mir so? Und so bin ich auf die Suche nach meiner Definition von Karma gegangen.

Nicht findet man der Taten „Täter“, kein „Wesen“, das die Wirkung trifft. Nur leere Dinge ziehen vorüber: Wer so erkennt, hat rechten Blick. Und während so die Tat und Wirkung im Gange sind, wurzelbedingt, kann, wie beim Samen und beim Baume, man keinen Anfang je erspähen.

(Vis. XIX) Culakammavibhanga Sutta.

Ursprung und Geschichte von Karma

Der Begriff „Karma“ kommt aus dem Hinduismus, Buddhismus und Jainismus  und beschreibt demnach das Gesetz von Ursache und Wirkung. 

Wikipedia schreibt dazu: „Karma (n., Sanskrit: कर्मन् karman, Pali: kamma „Wirken, Tat“) bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat. Diese Folge muss nicht unbedingt im gegenwärtigen Leben wirksam werden, sondern sie kann sich möglicherweise erst in einem zukünftigen Leben manifestieren. … es bezeichnet der Begriff die Folge jeder Tat, die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in jeder Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Karma entsteht demnach durch eine Gesetzmäßigkeit und nicht wegen einer Beurteilung durch einen Weltenrichter oder Gott: Es geht nicht um „Göttliche Gnade“ oder „Strafe“. Nicht nur „schlechtes“ Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburten, sondern gleichermaßen das „Gute“. Letztes Ziel ist es, überhaupt kein Karma mehr zu erzeugen.“

Gibt es Karma nur im Osten?

Der Artikel in Wikipedia beschreibt nun, dass man den Begriff des Karma aus östlichen Religionen, wie dem Hinduismus, Buddhismus und Jainismus kennt.

Wobei man in christlichen Schriften und anderen auch von Karma sprechen kann. So steht z.B. in der Bibel: „was der Mensch säet, wird er ernten“ (Galater 6,7). Leider wurde genau dieses wunderbare, aus der Natur entsprungene Prinzip von östlichen Religionen, aber auch von unseren westlichen Kirchen mißbraucht und zum Gesetz gemacht, das bis heute Angst und Schrecken verbreitet. Man nehme als Beispiel die Mär von Himmel und Hölle, Fegefeuer oder dem Kastensystem.

Schaut man im Wörterbuch, findet man folgende Definition von Karma: Karma – Handlung, Prinzip von Ursache und Wirkung.

„Beurteile nicht jeden Tag nach der Ernte, die du einholst, sondern nach den Samen, die du säst.“  Robert Louis Stevenson – (Man erntet, was man sät.)

Im Westen ist die Definition etwas anders

Wenn man sich mit seinen Mitmenschen unterhält, oder in Social Media Kanälen aufhält, springen einem immer wieder Sätze ins Auge, oder ans Ohr, die Karma beschreiben. Doch irgendwie scheinen wir im Westen – Karma anders zu interpretieren, als es eigentlich zu sein scheint. Es gibt gutes und böses Karma und wer böses tut den wird das Karma schon ereilen. Irgendwie empfinde ich diesen Rachegedanken im Westen als störend. Wird nicht genau dadurch wieder eigenes Karma aufgebaut? Jede Handlung, sei es die noch so kleinste Bewertung oder Verurteilung – sei es der Wunsch nach Vergeltung, der blöde Ex, der böse Diktator, die dusselige Kassiererin, die bösen Menschen – zieht im Endeffekt wieder eine negative Handlung mit sich. Ist es nicht so?

Das gute und das böse Karma

Auf der Suche meiner noch intuitiven Meinung über Karma, bin ich auf die Worte von Swami Sivananda getroffen. Er schreibt in seinem Buch „Göttliche Erkenntnis“: 

„Wunsch schafft Karma. Du arbeitest und bemühst dich, das Gewünschte zu erwerben. Karma erzeugt daraus seine Früchte, als Schmerz oder Freude. … Das ist das Gesetz von Karma.“

Karma ist demnach das Resultat aller unser Handlungen – egal ob gut oder schlecht. Im Westen spricht man dann gerne von gutem Karma und schlechtem Karma – das gibt es aber nicht. Es gibt Karma, das als Individuum abgebaut werden sollte um, ja sagen wir es salopp – glücklich zu sein! Denn genau das ist denke ich das Ziel von Karma – die absolute Wonne, die Glückseligkeit, die Erleuchtung – Samadhi, ganz ohne Karma….dies geschieht, wenn alles Karma abgebaut ist, auch das vermeidlich „gute Karma“, so die indischen Schriften.

„Die Art, wie Menschen dich behandeln, ist ihr Karma, wie du reagierst, ist deines.“  Wayne Dyer

Handlungen können uns dazu bringen, uns gut oder schlecht zu fühlen

Während ich hier sitze, auf meiner Terrasse, weil ich mir den Zeh gebrochen habe (Karma?!) – mitten in der Sonne, schon braun gebrannt, weil ich nichts anderes tun kann, wegen meinem Zeh – fällt mir auf das Herbst ist und ich die kaputten Pflanzen auf meiner Terrasse endlich mal beseitigen sollte. Sie schauen ganzschön traurig aus, weil ich ihnen kein Wasser mehr gegeben habe. Das war meine Handlung, die dazu führte, dass die Pflanzen vertrocknet sind. Ich sitze nun hier und merke, dass es mir dadurch schlecht geht. Ich bin quasi „Schuld“ (wobei es Schuld in diesem Sinne nicht gibt, aber dazu mal mehr in einem anderen Beitrag), weil ich wegen der Handlung – die Pflanzen nicht zu gießen – sie nun nicht mehr leben. Wegen meiner Faulheit quasi. Ganz eng genommen baut dies natürlich Karma auf. Nur mal zur Veranschaulichung für alle die glauben sie würden nie eine schlechte Tat tun. Jede erschlagene Fliege oder Spinne baut Karma auf. Jedes gegessene Stück Fleisch, oder unreifer Apfel baut Karma auf.  Jede auch noch so kleine negative Bewertung, baut Karma auf. 

Auf jeden Fall sitze ich hier und spüre die schlechte Energie, die von den toten Pflanzen ausgeht. Eine ganz einfache Handlung lässt mich allerdings wieder besser fühlen. Ich beseitige die alten Blätter und Stengel und pflanze neue Pflanzen ein. Gleich fühle ich mich besser….eine Handlung hat mich besser fühlen lassen. Auch wenn dies nur das Ego in dem Moment betrifft, geht es mir doch besser, weil alles um mich wieder schön ist. Dadurch kann ich vielleicht eine E-Mail viel netter beantworten und gebe dem Empfänger ein gutes Gefühl – auch das ist Karma. Meine Handlung neue Pflanzen einzusetzen haben eine andere Energie erzeugt und ich habe den E-Mail-Empfänger dadurch glücklich gemacht. Karma ist weder gut noch schlecht, Karma ist!

„Wenn du einen Samen der Liebe pflanzt, wirst du derjenige sein, der blüht.“  Ma Jaya Sati Bhagavati

Die 3 verschiedenen Arten des Karma

Swami Sivananda beschreibt, dass es 3 Arten von Karma gibt. Nämlich Sanchita, das angehäufte Tun (also alle Karmas die wir in der Vergangenheit angehäuft haben – gut und schlecht), Prarabdha – das fruchtbringende Tun (die unumgänglichen Resultate deiner Handlungen) und Kryamana oder Agami, das gegenwärtige Tun (das was im gegenwärtigen Leben für die Zukunft aufgebaut wird). 

In den Vedantaschriften gibt es dafür eine schöne Analogie. 

Der Bogenschütze

Der Bogenschütze bist du. Du hast einen Köcher auf deinem Rücken mit deinen Pfeilen. Das sind alle Karmas, die du in der Vergangenheit angehäuft hast (Sanchita). 

Du hast einen Pfeil abgeschossen, du kannst diesen Pfeil nicht mehr zurück holen (Handlung) und du bist im Begriff einen weiteren Pfeil abzuschießen. So wie man es im Bogenschießen eben macht.

Der Pfeil den du abgeschossen hast, ist das unumgängliche Resultat deiner Handlung (Prarabdha), also du kannst es nicht mehr ungeschehen machen und der Pfeil den du als nächstes abschießen willst ist das, was im gegenwärtigen Leben für die Zukunft aufgebaut wird (Kryamana oder Agami). Du hast vollkommene Kontrolle über den Pfeil den du abschießen willst, das was im gegenwärtigen Leben für die Zukunft aufgebaut wird. Aber der Pfeil fliegt halt nicht immer so wie du willst – das nennt sich dann „Mensch sein“. Die Erfahrungen von Gut und Schlecht als Mensch zu machen.

Du kannst aber daran arbeiten, dass der Pfeil besser fliegt und je mehr du übst, wirst du immer besser werden im Abschießen deines Pfeiles. Aber und das ist ganz wichtig – die Vergangenheit, deren Wirkung begonnen hat, musst du erfahren – das ist Karma.

„Das Leben wird dir jene Erfahrung bereiten, die für die Entwicklung deines Bewusstseins am nützlichsten ist. Woher weißt du, welche Erfahrung du brauchst? Ganz einfach: Es ist die Erfahrung, die du gerade erlebst.“ Eckhart Tolle

Alles bringt uns weiter

Im Endeffekt geschieht meiner Meinung nichts umsonst. Jede „böse“ Tat die ein Mensch vollbringt wirft ihn klar auf der einen Ebene zurück, aber sie macht ihn stärker, nämlich dann wenn er erkennt, dass alles seinen Grund hat, um zu wachsen. Gehen wir gestärkt und mit guten Gedanken aus einer „schlechten“ Handlung raus, können wir dadurch wieder Karma abbauen und so vollkommen werden – irgendwann! 

Es ist genauso Karma, wie wir mit einer uns erscheinenden negativen Situation umgehen. Es gibt kein Glück oder Pech, sondern lediglich die Folgen von Handlungen. Versinke ich im Selbstmitleid und jammere meinen Mitmenschen die Ohren zu, oder stehe ich auf, richte die Krone und marschiere mit erhobenem Kopf weiter? 

Deswegen leben wir doch hier in der Dualität, um zu erkennen dass alles uns weiter bringt. Um aus Tragödien gestärkt hervor zu treten, um zu erkennen, dass das vermeidlich Schlechte dieser Welt abgebaut werden kann, um die absolute Glückseligkeit zu erreichen. Wir haben die Möglichkeit unser Karma abzubauen – jeden Tag aufs Neue. Und wenn wir jeden Tag nur ein kleines bißchen danach schauen, dass es uns und unseren Mitmenschen ein bißchen besser geht, können wir als soziales Kollektiv viel an den Energien und somit an unserem Karma verändern. 

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu deinen Worten!

Achte auf deine Worte, denn sie werden zu deinen Handlungen!

Achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu deinen Gewohnheiten!

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Charakter!

Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal!“

Talmud

Also helft alle mit – mache diese Welt ein bisschen besser indem du JETZT denkst, was für tolle Menschen um dich herum sind und was du für ein einzigartiger, toller Mensch bist! Denn nur du alleine bist verantwortlich für deine Handlungen!

So wie wir mit unserem „Schicksal“ umgehen, bestimmt es unsere Handlungen und letztendlich unser Karma. Im Leben habe ich die Erfahrung gemacht, so lange mit dem gleichen Thema konfrontiert zu werden, bis ich es angegangen bin und bearbeitet habe. 

„Das Gesetz ist einfach. Jede Erfahrung wiederholt sich, oder du leidest, bis du sie zum ersten Mal richtig und vollständig erlebst.“ Ben Okri

Es geht darum, dass alle Lebewesen glücklich sind

Im Endeffekt geht es darum, dass alle Lebewesen glücklich sind. Und wenn wir das erreicht haben, dann gibt es kein Karma mehr. Im Hinduismus nennt man das „eintauchen in Samadhi“ und in der christlichen Religion „das Paradies“ oder „die Erlösung“.

Und wenn man es nun nicht ganz so religiös sehen will: Helfe heute jemandem, verschenke deine Zeit an jemand der dich braucht, lächle denjenigengen an, den du bewertest und sieh ihn aus einem andern Blickwinkel, wünsche jemandem etwas Gutes, Spende, kaufe regional, kaufe Tierversuchsfrei…tu einfach etwas Gutes und du wirst sehen, wie sehr dich das glücklich macht…und wenn wir das alle machen, dann gibt es kein Karma mehr!

Namasté und alles Liebe!

„Karma, wenn es richtig verstanden wird, ist nur die Mechanik, durch die sich das Bewusstsein festigt.“  Deepak Chopra

Aus einem Interview mit Shri Ramana Maharshi:

Was ist der Sinn des Abbaus von Karma, oder was ist das Ende von Karma?

„Als menschlicher Körper ist das schwer zu verstehen. Das Ziel ist, dass das Sein nicht mehr an den Körper, an die Identifizierung mit seinem Körper und an seine Karmas (Wirkungen aus Handlungen) gebunden ist.“ Shri Ramana Maharshi

Quellenangaben: 
https://nomorekarma.wordpress.com  
https://gedankenwelt.de/10-saetze-um-das-karma-zu-verstehen/
https://de.wikipedia.org/wiki/Karma

Buch: Göttliche Erkenntnis – Swami Sivananda (klicke auf das Bild um zum Buch zu gelangen)